Mitglied Anna Steinmüller auf Besuch in USA

-State Farm Arson Dogs Program-

von der SV OG Pegnitz nach Maine und bei der Erziehung eines Arson Dog hautnah dabei

 


Brandstiftung ist eines der Verbrechen, die sogar heut zu Tage noch sehr schwer nachweisbar sind. Die Beweise verbrennen mit dem Feuer, das der Täter legt. Dies erschwert den Ermittlern vor Ort die Arbeit erheblich und oft kann nicht einmal geklärt werden, ob es sich nachweislich um Brandstiftung oder einen Unfall mit schrecklichen Folgen handelt.

Anders in Maine in den USA.

 

Doch wie gelingt es den Teams dort immer wieder ihre Ermittlungen erfolgreich fortzuführen, obwohl die Situation für das menschliche Auge oft unerkannt bleibt?

Die Stars dieser Feuerwehrteams sind die sogenannten „Arson Dogs“, die brennbare, von Brandstiftern benutzte Substanzen oft innerhalb von Minuten aufspüren können.

 

In Maine werden diese erstaunlichen Hunde, die zum Teil höher versichert sind als ein teurer Sportwagen, ausgebildet und zusammen mit ihren Führern, den „Fire Marshals“, geschult um anschließend im täglichen Dienst zu arbeiten. Das Programm State Farm Arson Dogs wird von insgesamt drei Trainern geleitet, die hauptsächlich junge Labradore auf ihre spätere Arbeit vorbereiten und sie nach der Ausbildung in einem vierwöchigen Training mit ihren neuen Führern vertraut machen sollen. Dabei ist es oft – wie viele Male schon im Hundesport bemerkt und selbst falsch gemacht – schwerer den Hundeführer zu erziehen und ihm die richtige Ausstrahlung anzuerziehen.

 

Einige der Feuerwehrleute sind neu, sowohl im Hundesport, als auch im Programm der State Farm, andere haben über Jahre Diensthunde geführt. Im Trainingscamp in Maine treffen sich Ermittler aus verschiedensten Staaten der USA und treffen hier das erste Mal auf ihren Diensthund, der bereits ein langwieriges Training hinter sich hat. Die Gruppe ist klein und besteht meist aus etwa sechs Teams, die nach vier Wochen gemeinsamer Schulung in den Dienst entlassen werden. Die Zusammenstellung dieser Paare wird von den drei Trainern nach langer Beobachtung ihrer Hunde und der neuen Gruppe der Feuerwehrleute bekannt gegeben. Dabei ist es, wie auch in unserem Hundesport, wichtig auf das Team zu achten, das Hundeführer und Hund bilden. Während der vier Wochen in Maine wird dieses geschult und auf viele Situationen vorbereitet.

 

Dabei gilt vor allem: Positives Training! Das Kennzeichen der Arson Dogs ist es, einen Drang zur Arbeit an einer Brandstelle zu haben. Dieser soll spielerisch gefördert werden. Die Officers lernen hierbei Trainingsein-heiten stets mit einem Erfolgserlebnis zu beenden, um diesen Drang zu erhalten. Doch was, wenn der Charakter des Hundes nicht zu eben dieser Tätigkeit passt? Oder der Hund während der Ausbildung zum Arson Dog scheitert? Viele dieser Hunde, deren Charakter sich als nicht durchsetzungsfähig genug oder zu ruhig erwiesen hatte, werden von den Trainern und leitenden Fire Marshals des Programms an andere K9 Teams mit anderen Tätigkeitsbereichen und somit anderen Prioritäten weiterge-leitet. Doch einige Labradore stellen sich auch einfach nur als noch nicht alt genug heraus, um mit ihrer späteren Aufgabe fertig zu werden. Von diesem Projekt konnte ich in den letzten Wochen mehr erfahren und mir selbst ein Bild machen. „Wieso verbringst du eineinhalb Monate Austausch in Maine?

 

Da gibt es doch nichts!“ Diesen Satz hatte ich vor meiner Abreise mehr als einmal gehört. Ziegen, Schafe, Hühner und Schweine. Das sollten die Tiere auf der Farm meiner Gastfamilie sein. Alles nicht meine Welt. Eine Katze sollte es auch geben. Doch wo war der Hund?! Nicht vorhanden - so der Plan. Eine Woche nach meiner Anreise sollte sich das ändern, was mich sehr freute, da ich als aktives Jugendmitglied des SV verständlicherweise besser mit Hunden umgehen konnte, als mit den oben erwähnten Ziegen und Schafen. Noch interessanter sollte die Tatsache sein, dass eben dieser Labrador, der zu uns kommen sollte nur ein sogenannter „foster dog“ war und die Familie ihn nur für etwa sechs Monate aufnahm. Und zwar für die Vorbereitung auf das State Farm Arson Dog Programm! Patty, erklärte uns der zuständige Trainer der Fire Marshals, sei aufgrund ihres Alters noch nicht bereit für den Dienst und die Zuteilung zu einem Officer, habe jedoch die Ausbildung schon absolviert. Sofort sah ich: dieser Hund hatte viel Energie und war laut Beschreibung von „Mister G.“ während der letzten Ausbildungsphase, in der die anderen Hunde ihren Führen zugeordnet wurden, viel zu lange in seiner Box. Anders als im Hundesport, den ich aus unserer OG kannte, legt das Training der Arson Dogs Trainer weniger Wert auf Kommandos wie „Fuß“ oder „Platz“. Wichtig ist selbständiges Arbeiten mit einem großen Maß an Energie und dem Kommando „Sitz“ („down!“), das im Dienst etwa denselben Effekt hat wie das ruhige Verweisen von Gegenständen bei der Fährte. Nach dem Verweisen der gefundenen brennbaren Substanzen wird der Hund belohnt und für ihn beginnt eine neue Suche mit neuer Konzentration. Konzentration, die Patty zu diesem Zeitpunkt ersichtlicher Weise noch nicht hatte.

 

Gaetanas Job war nun, der jungen Hündin verschieden Situationen im Alltag beizubringen und ihr durch das tägliche Familienleben, das auf Grund von Pattys späteren Leben als Diensthund auch von einigen obligatorischen Stunden in ihrer Box, eine gewisse Reife, die ihr später im Programm helfen sollte, zu vermitteln. Hierbei war es ihr untersagt, dem Hund zu viele Gehorsams Übungen beizubringen, da sich das Training auf die gelernten Kommandos der Arson Dog Trainer beschränken soll. In dieses Unterfangen wurde nun auch ich als Austausschülerin mit einbezogen. Der Rest der Familie war an Hunde erst mit Gaetanas letzten paar Pflegehunden an die Tiere gewöhnt worden und war nicht unglücklich zu hören, dass ich gerne einen Spaziergang mit Patty unternahm oder ihnen die Trainingseinheit (Alltägliches wie „Sitz“ oder „Bleib“, Ballspielen oder die Gewöhnung an die Farmtiere), wenn meine Gastschwester zur Schule ging oder arbeitete. Wie oben erwähnt war Patty nicht Gaetanas erster Pflegehund und so ließ ich es mir nicht entgehen sie einiges über die Labradore und das Programm zu fragen:


Wie viele Arson Dogs hast du schon aufgenommen? Und waren das alles Labradore? Inklusive des Hundes, den ich im Moment bei mir zu Hause habe, hatte ich fünf Hunde. Und ja, es waren hauptsächlich Labradore. Nur der erste, Vinni, war ein Labradormischling, der in Florida aus einer Tierauffangstation gerettet wurde. Der Officer, der das tat, fand er wäre für das Programm geeignet. Doch leider hat er es am Ende nicht geschafft. Er war eher ein Hund zum Knuddeln, als ein Kämpfer. Deshalb hat ihn dann der Chemiker, der die Brandbeschleu-niger zum Training der Hunde stellt, behalten.


Dann hatte ich noch Ransome, mein erster heller Labrador, und Tanya, meine erste Hündin. Und seit ein paar Wochen lebt Patty mit uns.
Gibt es etwas, worauf du besonders achten musst? Ja. Da die Hunde ja schon trainiert sind, soll ich ihnen keine weiteren Kommandos beibrin-gen, die im Alltag nicht unbedingt erforderlich sind. Und ich soll auf keinen Fall mit den Hun-den Tauziehen spielen, da die Officer des Programms besorgt sind, dass dies einen schädli-chen Einfluss auf die Nase des Hundes haben könnte, oder ein Zahn brechen könnte.
Wie kommst du dazu, Arson Dogs aufnehmen zu dürfen? Ich wurde eigentlich ganz überraschend gefragt. Ich helfe auf der Farm einer der leitenden Officer des Programms aus und so kam es, dass mich unser Bekannter eines Tages fragte, ob ich nicht Lust hätte, einen Hund bei mir für einige Zeit aufzunehmen. Ich konnte es erst gar nicht glauben. Für das Arson Dog Programm! Ich war total aufgeregt und so froh, dass es mir meine Eltern erlaubten!
Musstest du irgendetwas tun, um dich auf das Programm vorzubereiten? In gewisser Weise. Der Officer, auf dessen Farm ich helfe, hat mir einige Grundkenntnisse über Hunde und deren Erziehung vermittelt und mir auch die Basiskommandos erklärt.
Was gefällt dir an deiner Aufgabe besonders? Ich wollte schon immer einen Hund haben, doch meine Eltern waren immer dagegen, da wir schon einige Tiere auf unserer Farm haben. Mir gefällt es einfach einen Hund um mich zu haben. Und einen Arson Dog für einige Zeit aufzunehmen und ihn zu erziehen, war für meine Eltern eine Art Kompromiss, der ganz unverhofft kam. Auch wenn es schwer ist, die Hunde immer wieder abgeben zu müssen, mache ich es sehr gerne, da ich weiß, dass sie ein gutes Zuhause bekommen und wichtige Arbeit vor sich haben. Es wird mir immer erlaubt die Officer, zu denen meine Hunde kommen, vorher zu treffen und den Hunden ein letztes Mal auf Wiedersehen zu sagen.

 


Anna Steinmüller, Jugendmitglied der SV OG Pegnitz